Computational Engineering, der SPIEGEL und das Düsentrieb-Dilemma

Im SPIEGEL 23/2018 ist der Artikel “Das Düsentrieb-Dilemma” erschienen. Der Artikel fordert eine Reform des Ingenieurwesens, die längst stattgefunden hat. Es wird etwa kritisiert “ihm [dem Ingenieur] fehlt vielfach das Verständnis für Algorithmen oder Quellcodes“, aber selbst traditionelle Ingenieursstudiengänge bieten Studierenden im Pflicht- und Wahlpflichtbereich unzählige Möglichkeiten, sich mit der “digitalen Welt” zu beschäftigen, z.B. Veranstaltungen zu Computersimulation, Software-Engineering, Projektmanagement bis hin zu Unternehmensgründung. Neue interdisziplinäre Studiengänge finden beim SPIEGEL gar keine Erwähnung…

Studierende, die einen stärkeren Fokus auf digitale und interdisziplinäre Arbeit legen möchten, können seit Jahrzehnten an fast allen technischen Universitäten Studiengänge wie “Computational Engineering” oder “Simulation Technology” oder “Mathematical Engineering” studieren. Dieser Zweig des Ingenieurwesens beschäftigt sich mit der Wissenschaft hinter der Anwendung, die der SPIEGEL so schildert: “Konstrukteure erschaffen am Rechner ein virtuelles Abbild ihrer Maschinen, einen digitalen Zwilling. An ihm simulieren sie schon in der Entwicklungsphase, wie die Anlage funktionieren kann, sie erkennen Fehler und vermeiden sie“. An der TU Darmstadt ist das CE-Studium seit 2002 möglich; es existiert ein abgestimmtes Programm vom Bachelor bis hin zur Promotion mit Inhalten aus den Ingenieurwissenschaften, Mathematik und Informatik.

Der Artikel kritisiert “das Studium ist zu Beginn überladen mit Theorie” und natürlich werden am Anfang eines Hochschulstudiums theoretische und grundlegende Inhalte vermittelt, andererseits sehen fast alle aktuellen Studiengänge zu Beginn interdisziplinäre Projektkurse vor, um die Studierenden zu motivieren und das Teamwork untereinander zu fördern. Studierende dürfen von einer Universität eine gute theoretische Ausbildung erwarten und genau so wird es auch uns gegenüber oft von der Industrie als Erwartung formuliert. Es sind die theoretischen Grundlagen, die durch 40 Jahre Berufsleben tragen und nicht das technische Detailwissen, welches sich in immer schnellerem Rhythmus ändert.